Im Zuge der jüngsten militärischen Zuspitzung des Iran-Konflikts steigen internationale Treibstoffpreise kräftig, was Europas Kerosinreserven binnen Wochen gefährdet. Die IEA warnt vor einem Engpass innerhalb von sechs Wochen und verlangt koordinierte politische Maßnahmen. Auf Initiative der Bundesregierung sind ein Kerosin-Gipfel sowie Beratungen im Nationalen Sicherheitsrat geplant. Geprüft werden Steuerbefreiungen im Luftverkehr und strategische Treibstoffkäufe. Lufthansa reagiert mit Kürzungen von Kurzstreckenflügen und plant Einsparungen von rund 40.000 Tonnen Kerosin bis Oktober.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Steigende Kerosinpreise und Flugausfälle drohen nach IEA-Reservewarnung in Europa
Die Internationale Energieagentur warnte am 17. April, dass europäische Länder innerhalb von sechs Wochen an die Kapazitätsgrenze ihrer Kerosinlager stoßen könnten. Ein solcher Engpass würde nicht nur deutliche Preiserhöhungen für Flugkraftstoff auslösen, sondern auch die betroffenen Airlines zu Kapazitätskürzungen oder Flugumbuchungen zwingen. Im Bundeswirtschaftsministerium fanden bereits erste Krisengespräche statt, während Fluggesellschaften gleichzeitig interne Inventuren vornehmen und Flugpläne umstrukturieren, um das Risiko von Versorgungsunterbrechungen zu senken. Es werden flexiblere Liefervereinbarungen geprüft.
Vor drohender Kerosinkrise: Flughafenverband verlangt temporäre Steuerbefreiung im Flugverkehr
Um die Liquiditätsengpässe der Fluggesellschaften abzufedern, schlägt der Flughafenverband vor, die Luftverkehrsteuer für wenige Monate auszusetzen. Diese zeitlich beschränkte Steuerpause würde unmittelbar finanzielle Mittel freisetzen, mit denen Airlines gestiegene Treibstoffkosten kompensieren können. Zugleich erwarte man dadurch weniger Druck auf die Flugticketpreise und damit eine höhere Planungs- und Buchungssicherheit für Reisende. Die befristete Aufhebung der Abgabe gilt als pragmatisches Mittel gegen eine mögliche Kerosinknappheit. Sie könnte binnen weniger Tage wirksam werden.
Ministerin warnt vor Panikmache und verweist auf internationale Unterschiede
Nach Aussage von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sei übertriebener Alarm fehl am Platz, da die Verteilung vorhandener Kerosinbestände weltweit variiere. Im Anschluss an den Kerosin-Gipfel im Wirtschaftsministerium seien gezielte Branchengespräche vorgesehen, begleitet von strategischen Beratungen im Nationalen Sicherheitsrat. Die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung prognostizieren, dass durch konsequentes Einleiten vorbeugender Maßnahmen ein Versorgungsengpass innerhalb der kommenden Wochen verhindert werden könne. Dazu sollen Lieferketten evaluiert sowie staatlicher internationaler Lagerbestände aufgestockt werden.
BDL prognostiziert Kürzungen im Flugverkehr ohne politische Maßnahmen schnell
Das Bundesverband Luftverkehr Deutschland (BDL) prognostiziert, dass knapper Nachschub an Flugturbinenkraftstoff die Anzahl operativer Flüge substanziell reduzieren könnte. Die Folge sind höhere Passagierentgelte und eine geringere Auswahl an Destinationen, da Airlines ihr Angebot anpassen, um Treibstoff einzusparen. Sollten Regierungen keine kurzzeitigen steuerlichen Entlastungen beschließen, müssen Fluggesellschaften Strecken streichen oder Frequenzen drosseln. Dies würde den Airline-Markt belasten und Reisende erheblich einschränken. Zudem könnten häufig ungeplante Umbuchungen und Kapazitätsengpässe zu Kundenprotesten führen.
Drehkreuz-Konzentration auf Frankfurt München reduziert Kurzstrecken nach Zürich Wien
In einer bis Oktober laufenden Maßnahme werden Lufthansa und Lufthansa Cityline circa 20.000 Kurzstreckenflüge einstellen, um eine Treibstoffeinsparung von etwa 40.000 Tonnen Kerosin zu realisieren. Bis zum Ende Mai entfällt pro Tag ein Kontingent von 120 Flugverbindungen. Parallel wird das Sommerprogramm auf die Hauptknoten Frankfurt und München sowie auf Partnerhäuser in Zürich, Wien, Brüssel und Rom konzentriert. Die vollständigen Flugpläne sowie Zeitpunkte der Anpassungen werden Ende April veröffentlicht zeitnah bereitgestellt.
Fluggesellschaften weltweit reagieren derzeit mit Betankungszuschlägen auf steigende Treibstoffkosten
Durch steigende Kerosinpreise sehen sich Fluggesellschaften gezwungen, die Kosten an Passagiere weiterzugeben. Hong Kong Airlines hat hierfür einen fixen Betankungszuschlag eingeführt, während Air New Zealand und Air France ähnlich verfahren. Vornehmlich sind Flüge zwischen Europa, Asien und Afrika betroffen, da hier die Treibstoffpreise am stärksten schwanken. Passagiere sollten daher die Gesamtpreise inklusive aller Zuschläge bei der Flugbuchung analysieren und mögliche Sparoptionen, wie Tarifklassenwechsel oder alternative Routen, prüfen. genau abwägen außerdem.
Importabhängigkeit Deutschlands bei Kerosin erreicht bereits besorgniserregende 55 Prozent
Die Daten der Internationalen Energieagentur weisen darauf hin, dass zwischen vierzig und sechzig Prozent des europäischen Kerosinbedarfs aus Golfregion-Staaten gedeckt wird. Deutschland importierte 2024 rund 5,9 Millionen Tonnen Flugturbinentreibstoff und erreichte damit einen Anteil von 55 Prozent am Gesamtverbrauch. Während andere Mineralölprodukte weitgehend heimisch produziert werden, bleibt Kerosin das einzige Erzeugnis, das nicht vollständig inländisch hergestellt werden kann und deshalb stark von Importen abhängig ist mit nennenswerten langfristigen sicherheitspolitischen Konsequenzen.
Durch die kurzfristige Streichung der Luftverkehrsteuer entsteht für Fluggesellschaften ein zusätzlicher finanzieller Spielraum, um erhöhte Kerosinpreise zu kompensieren. Parallel koordinieren Regierung und Branche in Fachtagungen Maßnahmen zur Engpassprävention. Lufthansa steuert mit gezielten Treibstoffeinsparungen und optimierten Flugrouten gegen und reduziert den Verbrauch. Ergänzend setzen internationale Carrier Betankungszuschläge auf Langstrecken ein, während Modernisierungen die Flotteneffizienz verbessern. Zusammen sichern diese Schritte eine stabile Versorgung, Planbarkeit und moderate Ticketkosten im Sommer und erhöht Resilienz.

