Lehmhäuser Asien

Vor allem in bäuerlich geprägten und ländlichen Regionen findet man Lehmhäuser. Asien ist reich an solchen Gegenden. In Asien hat der Bau von Lehmhäusern auch Tradition.

Lehmhäuser: Von Asien nach Europa ist es nur ein kleiner Schritt

Lehmbauten haben in Europa über die Jahrhunderte an Bedeutung verloren. Steinbauten und vor allem die modernen Werkstoffe der Gegenwart haben das Lehmhaus verdrängt. Umso interessanter ist es, dass es gerade jetzt Bestrebungen gibt, den Bau von Lehmhäusern wieder einzuführen. Und tatsächlich wählen Bauherren gerade in Europa wieder vermehrt diesen sehr klassischen Werkstoff für die Errichtung ihres Hauses aus.

Der Bau eines Lehmhauses

Wenn man sich dem Thema Lehmhaus einmal von der technischen Seite nähert, dann stößt man darauf, dass es sich bei Lehm um eine Mischung aus Ton, Schluff und Sand handelt. Mithin besteht Lehm also aus verschieden großen Gesteinskornfraktionen.

Video-Doku: So baut man ein Lehmhaus

Dieser Video-Clip erklärt nochmals alle Details zum Thema Lehm. Auch das Vorgehen beim Bau von Lehmhäusern wird beschrieben.

In Asien üblich: Bau eines Lehmhauses aus ungebrannten Lehmziegeln

Eine in Asien sehr häufig angewandte Methode des Hausbaus ist jene mit ungebrannten Lehmziegeln. Die Lehmziegel werden in einem einfachen Fertigungsverfahren hergestellt. Dazu pressen die Bauarbeiter eine Mischung aus

  • Lehm
  • Sand
  • Pflanzenfasern
  • Stroh

in einen Holzrahmen. Hat der Lehmziegel seine Form erhalten, wird er dem Holzrahmen entnommen und zum Trocknen an der Luft abgelegt. Die Füllstoffe haben für den Lehmziegel eine besondere Bedeutung. Fehlten die Füllstoffe, würde der Lehmziegel dazu neigen, beim Trocknen sehr schnell Risse zu erhalten. Mit der Tragfähigkeit der Mauer wäre es somit schlecht bestellt, die Stabilität des Hauses könnte langfristig nicht sichergestellt werden. Die Füllstoffe geben der Mauer auch Stabilität. Zudem erhält der Lehmziegel so eine geringere Dichte, was auch zu einem niedrigeren Gewicht führt.

Als Füllstoffe werden oftmals auch Sand und Kies benutzt. Nebenbei strecken sie das Material. Die Lehmziegel werden nicht gebrannt. Gebrannte Tonziegel hätten als Backsteine zudem andere Eigenschaften.

Vereinfachte Fachwerkbauweise

Eine Alternative zur Benutzung von Lehmziegeln beim Bau eines Lehmhauses ist jene, ein Holzgerüst zu errichten und die Rahmen mit Lehm zu verfüllen. In Asien werden beiden Techniken angewandt.

Lehmhäuser in Asien sind in vielen Landstrichen noch gang und gäbe. In Europa gewinnen die Vorzüge des Werkstoffs Lehm zunehmend wieder an Bedeutung. Dabei zählt nicht nur die Verbesserung des Raumklimas. Es ist das Bewusstsein, einen natürlichen Werkstoff zu verwenden, der auch als Bestandteil des Hauses noch mit der umgebenden Natur verbunden ist. Es ist das Lebensgefühl des nachhaltigen Lebens, welches für viele Menschen in Europa an Bedeutung gewonnen hat. (#1)

Lehmhäuser in Asien sind in vielen Landstrichen noch gang und gäbe. In Europa gewinnen die Vorzüge des Werkstoffs Lehm zunehmend wieder an Bedeutung. Dabei zählt nicht nur die Verbesserung des Raumklimas. Es ist das Bewusstsein, einen natürlichen Werkstoff zu verwenden, der auch als Bestandteil des Hauses noch mit der umgebenden Natur verbunden ist. Es ist das Lebensgefühl des nachhaltigen Lebens, welches für viele Menschen in Europa an Bedeutung gewonnen hat. (#1)

Das Lehmhaus in Europa: die Schweiz ist führend

In Europa – vor allem in der Schweiz – werden Lehmhäuser errichtet. Die Lehmbauten bieten Eigenschaften, welche mit modernen Werkstoffen errichtete Häuser nicht besitzen können. Lehmhäuser zeichnen sich durch ein ausgeglichenes Raumklima aus. Lehm speichert zudem Wärme und gleicht die Luftfeuchtigkeit im Raum aus.

2012: Lehmhaus im Merian Park

Im Jahr 2012 eröffnete das Lehmhaus im Merian Park in der Region Basel. Seine Konstruktion basiert auf einem Holzgerippe und gestampftem Lehm. Das Lehmhaus mit einer Wohnfläche von insgesamt 164 m² wird aktuell für Events vermietet. Es wurde zudem bewusst für diesen Verwendungszweck geplant und ausgelegt. So weist es einen unterteilbaren Saal und eine angemessene Küche auf. Bis zu 99 Personen können in diesem Lehmhaus zu einem Event bequem Platz finden. Umliegend finden sich auch die Merian Gärten (täglich geöffnet, Eintritt ist frei) und das Mühlemuseum.

Kontakt:
Merian Gärten
Vorder Brüglingen 5
4052 Basel

Mail: info@meriangaerten.ch
Tel: +41 61 319 97 80
Fax: +41 61 319 87 84
Web: www.meriangärten.ch

2014: Ricola Kräuterzentrum

Den größten Lehmbau Europas finden wir mit dem Kräuterzentrum des Unternehmens Ricola. Das Lehmhaus wurde im Jahr 2014 errichtet und im Mai des Jahres in Betrieb genommen. Zur bewusst umweltfreundlichen Planung und Ausführung des Baus gehörte auch das beschaffen des Lehms in der direkten Umgebung der Location, was aufwändige Transporte ersparte.

Die Plaungsarbeiten für das Kräuterzentrum liefen nicht sofort in Richtung Lehmbau. Die ersten Entwürfe sahen vielmehr noch Holz vor und glichen eher einer Scheune. Die beiden Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron entscheiden sich final jedoch für einen ganz anderer Baustoff: Ricolas Kräuterzentrum in Laufen (im Kanton Basel-Landschaft gelegen) wurde ein moderner Stampflehmbau. Hier brachte der Lehmbauexperte Martin Rauch seine Kompetenzen mit ein.

16 Millionen Schweizer Franken kostete der Stampflehmbau. Die Bauzeit dauerte von Januar 2013 bis Mai 2014. Der Lehm wurde auch mit den vor Ort vorhandenen Materialien des steinigen Aushubs und dem Mergel vermischt. Im nahegelegenen Laufen wird seit 2.000 Jahren bis heute Ton abgebaut. Das Gebüude ist etwa 30 Meter breit, immerhin 111 Meter lang und cirka 11 Meter hoch. Die längliche Form des Gebäudes bildet den industriellen Prozessverlauf der Trocknung, der Verarbeitung, die Mischung und die Lagerung von Kräuter ab.“

Kontakt:
Ricola Kräuterzentrum / Herb Center
Wahlenstrasse 101
4242 Laufen

Tel: +41 61 765 41 21

Video: Lehmhaus in Ungarn

Das nachfolgende Video führt durch ein Lehmhaus in Ungarn. Es wurde von einer einzige Person in einer Saison errichtet.

Investoren bauen Lehmhäuser in Asien

Immer wieder entdecken Investoren und Unternehmensgründer Chancen für neue Geschäftsmodelle. Im Jahr 2010 verlief der Vorgang umgekehrt. Der Verein Umwelt und Ökologie 21 e. V., der nach eigenen Angaben Türen aus Thailand importiert, plante in Thailand den Bau innovativer und ökologischer Lehmhäuser. Die konzipierten Lehmhäuser sollten aus massiven Lehmsteinen gebaut werden.

Das Konzept fußte auf der Annahme, dass der moderne Lehmhausbau in Thailand noch sehr in den Anfängen steckte. Man erkannte eine Lücke im Übergang der Technologien im Häuserbau. Während Thailand früher vom Bau von Holzhäusern und einfachen Lehmhütten geprägt war, übersprang man dort im Bau eine technologische Strecke und gelangte sogleich zum Bauen mit den sogenannten „modernen“ Baustoffen.

Das Anliegen des Verein Umwelt und Ökologie 21 e. V. war es, mit dem gesunden und natürlichen Bauen mit massiven Lehmsteinen in Thailand eine Hausbautechnologie zu etablieren, welche modernen europäischen Anforderungen genügen soll. Dabei wollte man gerade durch die Eigenschaft des Lehms, das Raumklima zu regulieren, die Kosten für Kühlaggregate und Klimaanlagen vermeiden oder doch zumindest reduzieren helfen.

Dabei propagierte der Verein den Kostenvorteil der Lehmbauweise gerade in Thailand. Dazu muss man wissen, dass es nahezug überall in Thailand natürliche Lehmbauvorkommen gibt und die Lohnkosten eher niedrig sind. Als angenehmen Nebeneffekt sah man die Vermeidung des Co2-Ausstoßes bei Produktion und Materialtransport.

Als Größenordnung für die Baukosten nannte der Verein Umwelt und Ökologie 21 e. V. die Hausnummer von 50.000 Euro für ein Haus im Bungalowstil mit einer Wohnfläche von 150 m² und 150 m² Nutzfläche. Grundstücke sind in der beispielhaft ländlichen Region Nordthailands für 4.000 bis 8.000 Euro (1.600 m² Fläche) zu haben, so der Verein.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild + # 1 One Percent

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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