Tiger am Abgrund

10.02.2010 | Berlin
Anlässlich des am 14. Februar beginnenden chinesischen "Jahr des Tigers" hat die Umweltschutzorganisation WWF eine aktuelle Bedrohungsanalyse für die seltene Großkatzenart veröffentlicht. Demnach gerät der Tiger in seinem gesamten Verbreitungsgebiet immer stärker unter Druck. "Die Situation für die letzten rund 3200 Tiger in freier Wildbahn ist dramatisch.

Hier steht eine der charismatischsten Tierarten der Erde am Abgrund und die Bedrohungen werden immer vielfältiger und akuter", warnt Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Wilderei, Lebensraumzerstörung und auch die Auswirkungen des Klimawandels seien die Hauptgefahren für das Überleben der Tierart.

So ist es zwar weltweit verboten Medizin mit Tiger-Bestandteilen herzustellen, doch der Hunger auf diese Produkte sei ungebrochen. Daher werde der Tiger weiterhin illegal geschossen, so der WWF. Aber auch Europas enormer Bedarf an Palmöl bringe die Großkatzen in Bedrängnis. Jedes Jahr importieren die europäischen Staaten nach Angaben der Umweltschützer rund 5,8 Millionen Tonnen für unzählige Produkte wie Eiscreme, Bio-Sprit oder Waschmittel. Auf Sumatra hätten daher innerhalb von nur 23 Jahren (1985-2008) über 12 Millionen Hektar Wildnis den Plantagen und Monokulturen weichen müssen. Das ist die Hälfte des gesamten Waldes von Sumatra. Für die letzten höchstens vierhundert Sumatra-Tiger werde es auf der Insel immer enger. Ein weiteres Problem stellen laut WWF die weitgehend unkontrolliert in Gefangenschaft lebenden Tiere zum Beispiel in den USA dar. So gebe es in den Vereinigten Staaten mit 5.000 Exemplaren mehr Tiger, die von Privatpersonen gehalten würden, als heute in ganz Asien durch die freie Wildbahn streiften. "Es wird immer wieder beteuert, dass die Tiere nur zu Unterhaltungszwecken gehalten werden, doch Gesetzeslücken in den USA öffnen dem illegalen Handel Tür und Tor", warnt Volker Homes. Damit würden die amerikanischen Tiger zu einer Bedrohung für ihre wilden Artgenossen.

Noch kritischer sieht der WWF Chinas Tiger-Farmen. Sie werden offiziell als Unterhaltungs-Einrichtungen oder Zuchtstationen betrieben, doch klar ist, dass diese zum Erhalt der Tiger in der Wildnis nichts beitragen. Auch seien einige der Farmer Teil einer einflussreichen Lobby, die in China eine Aufhebung des nationalen Handelsverbots für Zuchttiger herbeiführen will. Damit könnten tote Farm-Tiger für die Herstellung ostasiatischer Medizinprodukte verkaufen. Der WWF befürchtet, dass es dadurch zu einem weiteren Anstieg der Wilderei auf Wildtiger kommen könnte. "Untersuchungen und Befragungen haben gezeigt, dass viele Käufer von Tiger-Produkten jene bevorzugen, die aus wildlebenden Tieren hergestellt wurden. Farm-Tiger sind in deren Wahrnehmung minderwertige Ware", warnt Volker Homes.

Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland

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