Öl-Alarm im Unterwasserparadies
"Die Schiffssicherheit muss angesichts des zunehmenden Verkehrs auch in sensiblen Meeresgebieten dringend erhöht werden", betont Stephan Lutter vom WWF Deutschland. Er fordert eine Lotsenpflicht für Gebiete wie das Great Barrier Reef. Dadurch lasse sich die Unfallgefahr verringern. Überdies müsse das besonders giftige Schweröl als Schiffstreibstoff verboten werden. "Keiner würde auf die Idee kommen, mit schlammigen Schuhen über edle Teppiche zu laufen, aber auf See kennt man wenig Skrupel" so Stephan Lutter. Schweröl darf an Land als Treibstoff nicht eingesetzt werden, sondern muss als Sondermüll aufwändig entsorgt werden.
Das Great Barrier Reef ist mit mehr als 14.000 Tier und Pflanzenarten eine Schatzkammer der Natur. Dieses Naturparadies durch Leichtsinn und mangelnde Sicherheitsvorschriften zu gefährden, sei Russisches Roulette. Der WWF erinnerte in diesem Zusammenhang an den wirtschaftlichen Wert intakter Korallenriffe. Sie schützen die Küsten vor Sturmfluten und gelten als Kinderstube ungezählter Fischarten. Addiert man zu diesen Leistungen der Riffe die Einnahmen aus dem Tauchtourismus, so gehen Ökonomen von einer jährlichen wirtschaftlichen Leistung in Höhe von 170 Milliarden Dollar aus. Das Great Barrier Reef wird jährlich von acht Millionen Touristen besucht.
Das Riff im Osten Australiens ist von der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) bereits als so genannte PSSA (Particular Sensitive Sea Area), also ein besonders sensibles Meeresgebiet eingestuft. Weltweit genießen nur rund ein Dutzend Meeresgebiete, darunter das Wattenmeer und Teile der Ostsee diesen Schutzstatus. Trotzdem wurden wichtige Maßnahmen zum Schutz bislang nicht umgesetzt. 1998 sind beispielsweise bei der Havarie des Holzfrachters Pallas vor Amrum nur 60 Tonnen Schweröl ausgetreten, dadurch jedoch mindestens 16.000 Seevögel getötet und weitere Zehntausende verölt worden. "Nicht nur Öltanker, sondern auch einfache Frachter können durch ihr Schweröl im Tank zu einer ökologischen Zeitbombe werden", so Lutter.
Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland
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