Den letzten Sumatra-Tigern auf der Spur

05.03.2008 | Dresden
Auf Sumatra lebt eine vom Aussterben bedrohte Population des asiatischen Tigers, der Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae).

Die kleinste lebende Unterart der Raubkatze ist deutlich gefährdet: maximal 500 Tiere, so schätzt Prof. Sven Herzog, Inhaber der Professur für Wildökologie der TU Dresden, gibt es noch. Der Wildökologe will genauer herausfinden, wieviel Tiere auf der indonesischen Insel leben, was ihr Überleben gefährdet, und vor allem wie es um ihre genetische Struktur steht. Sie bestimmt nämlich, wie anpassungsfähig die Tiger tatsächlich sind.

"Wie groß ist die Chance des Sumatra-Tigers, die nächsten 100 Jahre zu überleben? Artenvielfalt interessiert mich dabei eigentlich gar nicht so sehr. Viel wichtiger ist die genetische Vielfalt, eine ausgeprägte genetische Variation unterhalb der Ebene der Art, damit sich eine Art an die Umwelt, ergo den Menschen, anzupassen versteht", erklärt Sven Herzog. Nüchtern umreißt der Wissenschaftler das Ziel seiner Forschung: "Wir dürfen die Realität nicht aus den Augen verlieren. Es geht nicht darum, alles zu erhalten, wie es einmal war, sondern Pflanzen und Tieren die Möglichkeit zu geben, in der heutigen Welt zu überleben!"

Wie ermittelt man aber die genetische Struktur einer Tierart, von der auf Tausenden von Quadratkilometern gerade einmal eine Handvoll Tiere lebt? Zumal der Sumatra-Tiger ja aus naheliegenden Gründen nicht gejagt werden darf. Der in Dresden arbeitende DAAD-Stipendiat Muhammad Ali Imron entwickelt im Rahmen seiner Doktorarbeit gerade im Labor eine nicht-invasive Erhebungsmethode: über Haare oder Exkremente der Tiger soll DNA gewonnen werden, damit jedes einzelne Individuum identifiziert werden kann. Mit Unterstützung der Gadjah-mada Universität in Yog-Yakhatr, mit der die TU Dresden für dieses Projekt zusammenarbeitet, will Imron herausfinden, welche Streifgebiete und welche bevorzugten Beutetiere der Tiger hat. Dabei kann sich der Student nur an ganz wenige Studien zum Sumatra-Tiger und zu anderen Tiger-Unterarten, etwa in Indien, halten.

Das wohl entscheidende Problem ist jedoch ein anderes: bisher ist nicht genau geklärt, wie aus den eingesammelten Proben der Losung die Tiger-DNA von der Tigerbeute-DNA unterschieden werden kann. Eventuell muss Imron deshalb bei der Forschungsarbeit noch einen Schritt zurückgehen und über Diätstudien in Zoos und Tierparks herausfinden, wie Beute- und Raubtier-DNA genau charakterisiert ist. Möglicherweise kann der Forscher hier auf bereits veröffentlichte Erkenntnisse indischer Kollegen zurückgreifen.

Die genetische Struktur einer aussterbenden Art zu erforschen, ist ein typisches Thema des Fachbereichs Wildökologie. Die in Tharandt bei Dresden ansässigen Forscher beschäftigen sich vorrangig mit Tierarten, die einer Interaktion mit dem Menschen unterliegen. "Immer dort, wo einem Tier das Fell über die Ohren gezogen wird, wo es Schäden macht oder vielleicht Nutzen, handelt es sich ja um eine Art der Interaktion mit dem Menschen", erklärt Sven Herzog. "Conservation Biology, die Entwicklung langfristiger Schutzmaßnahmen in der Ko-Evolution von Menschen und Wildtieren, und natürlich der Wissenstransfer in einem Umfeld voller Interessengruppen; das sind unsere wichtigsten Ziele."

Quelle: Pressemeldung Technischen Universität Dresden

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